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Thyssen Krupp als Rennradhersteller

Thyssen Krupp als Rennradhersteller

Thyssen-Krupp hatte eine geniale Idee, um das schwierige Geschäft mit dem Edelstahl anzukurbeln. Anstatt schnöde Bleche für Autos sollten anmutige Rennradrahmen produziert werden. Der Fahrradmarkt boomt und Thyssen-Krupp witterte riesige Absatzmärkte und hohe Gewinnmargen. Hochkarätige Ingenieure haben drei Jahre lang getüftelt, um den perfekten Stahlrahmen mit Technologie aus dem Automobilbereich zu entwickeln.

Der Rahmen hat Übergewicht

Radsportler fragten sich allerdings, wo die entscheidenden Verbesserungen zu finden sind. Der Rahmen ist mit 2500 Gramm extrem übergewichtig. Aktuelle Rennradrahmen aus Carbon wiegen nur 700 Gramm und selbst klassische Stahlrahmen aus dem letzten Jahrtausend bringen ein Kilo weniger auf die Waage. Moderne Rennräder können mühelos mit einem Finger hochgehoben werden. Für das Steelworks braucht man beide Hände.

Das organische Design

Auch die neue organische Form überzeugt den konservativen Radfahrer nicht. Weiche und fließende Rundungen passen nicht zum härtesten Sport der Welt. Welche Tour-Etappe wurde denn schon mit so einem Rahmen gewonnen? Die umlaufende sechs Meter lange Schweißnaht irritiert zuedm das Auge und die anvisierte Zielgruppe. Billigräder aus dem Baumarkt sehen ähnlich aus.

Besonders kleine und große Menschen werden vom Kauf ausgeschlossen, da nur zwei Größen angeboten werden. Wer mittelgroß ist, kann das Komplettrad für 9.000 Euro erwerben und wird sich anschließend wundern.

Wenig durchdacht

Die Sattelstütze kann nicht eingeschoben werden und erschwert den Transport. Bei einem Umfaller droht ein Totalschaden, da der Rahmen im Gegensatz zu allen anderen Rennrädern kein austauschbares Ausfallende besitzt. Einmal verbogen, kann der Rahmen in den Müll gegeben werden. Die wichtigste Frage stellt sich allerdings zu Beginn der ersten Tour: Wo stecke ich meine Wasserflaschen hin? Eine Befestigung von Flaschenhaltern haben die Ingenieure von Thyssen-Krupp tatsächlich nicht vorgesehen.

Die Rennradgemeinde hat dem Rahmen keine Zukunft vorhergesagt und sie sollte Recht behalten. Thyssen-Krupp hat das Projekt „Steelworks“ nach zwei Jahren stillschweigend beerdigt und widmet sich nun wieder dem Geschäft mit den schnöden Autoblechen.